Happy Baby Pose

2020-2021

Ein schwarzes Zelt, sakral anmutend (wie das Zelt mit der Bundeslade), davor zwei Keramikpoller, dunkel, weiß glasiert am oberen, runden Ende. Eine Kette dazwischen ist gerissen. Aus dem Zelt tönen Klänge, zunächst nähmaschinenartige Rhytmen, dann elektronisch modifizierter Gesang, eine Art Sakralgesang. In dem Zelt steht ein Bildschirm, darauf eine schwarz gekleidete Person mit weiß geschminktem Gesicht vor dunkelblau leuchtendem Hintergrund, die ein Stück frisches Fleisch in ihren Armen wiegt. Vor ihr die zwei Keramikpoller und daran gekettet drei liegende Plüschtiger. Die Person trägt eine Art Halfter, die ihre Mundwinkel hochzieht und so ein Lächeln erzwingt.

Hier beginnen die Bilder zu kippen und sich anzustecken: Der Titel fällt auf das Fleischstück in den Armen der Person. Das weiße Gesicht scheint eine Art Projektions­fläche zu sein. Posiert sie mit einem Baby? Oder ist die gezwungen lächelnde Person das Happy Baby? Der Titel nimmt auf eine Yogahaltung Bezug, die im Zusammenhang mit den Nähmaschinenrhythmen und den Keramikpollern auch Bilder einer gewaltsamen Sexualität evozieren kann. Die glasierten Poller erscheinen plötzlich als monströse Phalli, wie von Dinosauriern. Das tote Stück Fleisch wie ein Relikt aus Verletzung, eine Fehlgeburt vielleicht? Eine liebevolle Gestaltung, das tiefe, traumnahe Blau mit den Plüschtigern hingegen erweckt im Zusammenspiel mit den Gewalt evozierenden Bildelementen den bestürzenden Eindruck, in eine gebrochene Seelenlandschaft zu schauen, in der Kippbilder als Teil natürlicher Verdrängungsmechanismen erscheinen.

Collage Happy Baby Pose

Installation (Mixed Media), Zeitraffer-Videoloop, Sound

Video ca. 15 min (Loop), Maße Kathedrale: 6 x 3 x 4 m

Ausstellungsansicht: TERRITORIEN 2.0
Oktogon, Kunsthalle der HfBK Dresden

Fotos: © Selin Acarbaş, © Knuth Klaßen

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